Reise nach Tschernobyl – Ein unvergessliches Erlebnis

Mein ursprünglicher Reisebericht von damals ist leider verloren gegangen. Deshalb folgt hier ein neuer – auch für mich, um die unvergessliche Tour noch einmal Revue passieren zu lassen.

Alles begann mit einem Cache am PC. Es war „Der Sender“. Schnell hatte ich die Lösung gefunden und fuhr los. Dabei kam mir wieder die riesige Antennenanlage in den Sinn, über die ich einmal eine Reportage gesehen hatte.

Duga-Radar in der Sperrzone von Tschernobyl
Die gigantische Duga-Radar-Anlage – kaum vorstellbar in ihrer Dimension.

Eine kurze Recherche ergab: die Anlage liegt in der Ukraine – und sie befindet sich in der Nähe von Tschernobyl. Ich war fasziniert, schließlich bin ich mit der Geschichte aufgewachsen und hatte viele Dokumentationen gesehen.

Noch am selben Abend verglich ich Reiseanbieter. Ich entschied mich schnell – aber es gab ein Problem: Ich brauchte einen Reisepass. Also direkt am nächsten Tag beantragt, als Express.

Fünf Wochen später ging es los. Nur mit Rucksack und Kleidung für vier Tage. Über Hamburg und Frankfurt nach Kiew – knapp den Anschlussflug erreicht, dann gelandet im Nieselregen. Temperaturen unter 10°C. Mit dem Bus fuhr ich ins Zentrum und machte die ersten Caches.

Am Hauptbahnhof von Kiew verbrachte ich die Nacht. Es war kalt, viele warteten dort auf Züge. Am nächsten Morgen startete die Tour in die Sperrzone.

Unser Guide, Natasha, stimmte uns mit einem Film ein, dann passierten wir die Kontrollpunkte. Als Erstes stand die Duga-Anlage auf dem Programm – genau das, worauf ich mich am meisten gefreut hatte.

Am Abend schliefen wir in einem Motel in Tschernobyl. Einfach ausgestattet, aber ausreichend. Zum Abendprogramm gehörte auch der Besuch der Feuerwehrwache mit alten Fahrzeugen und Robotern.

Am nächsten Tag ging es weiter: Stadion, Kindergarten, Schule, Musikschule, und natürlich der berühmte Platz mit Riesenrad, Karussell und Autoscooter. Spooky: Das Karussell drehte sich langsam im Wind und quietschte.

Rostiger Autoscooter und Riesenrad in Prypjat
Der verlassene Vergnügungspark von Prypjat – das Riesenrad wurde nie offiziell eröffnet.

Als mehrere große Reisebusse eintrafen, füllte sich der Platz schlagartig. Das „Lost“-Gefühl war dahin. Also weiter zum Kraftwerk. Der silberne Sarkophag blitzte im Sonnenlicht. Beeindruckend, welche Dimensionen dieses Bauwerk hat.

Der neue Sarkophag über Block 4 in Tschernobyl
Der neue Sarkophag über Block 4 – ein beeindruckendes Bauwerk.

Später aßen wir in einer modernen Kantine. Danach noch Besichtigungen: eine Bahnstrecke, ein unvollendeter Kühlturm, und schließlich der Rote Wald. Streunende Hunde begleiteten uns dort, friedlich, aber laut Guide mit Vorsicht zu genießen.

Zurück ging es durch die Kontrollpunkte. Strahlenmessung – alles negativ. Im Bus war es still. Jeder hing seinen Eindrücken nach.

Mein alter Bericht endete an dieser Stelle. Doch seitdem hat sich viel verändert: Bilder russischer Panzer auf genau den Plätzen, wo wir damals standen. Aber auch positive Erlebnisse: Ein Kollege aus der Ukraine erzählte mir, dass er beim Bau des Sarkophags mitgearbeitet hat. Beim Bildervergleich stellten wir fest: Wir waren zur gleichen Zeit dort.

Vielen Dank an alle, die bis hierhin gelesen haben.